Buch zu Ende gelesen von Paulo Coelho : Auf dem Jakobusweg. Sehr zu empfehlen !
Rezension:
Wer sich von der Lektüre von Paulo Coelhos "Auf dem Jakobsweg" einen
ähnlich locker-leicht geschriebenen Erlebnisbericht einer
Pilgerwanderung mit Selbsterkenntnis erwartet, wie ihn Hape Kerkeling
mit "Ich bin dann mal weg"
vorgelegt hat, der sei gewarnt! Trotz des Untertitels "Tagebuch einer
Pilgerreise nach Santiago de Compostela" erwartet den Leser in Coelhos
Buch eher ein märchenhaft-mystisch-religiös gezeichneter
Entwicklungsroman - allerdings durchaus aus der Perspektive des
Ich-Erzählers.
Doch von Anfang an: Coelho,
der - das war mir z.B. vollkommen neu - einige Jahre in einer
Bruderschaft namens R.A.M. verbracht hat, wird die "Meisterweihe"
verwehrt, er muss sich daraufhin auf den Jakobsweg begeben, um "sein
Schwert" zu suchen. Beigestellt wird ihm ein Führer seines Ordens,
"Petrus" genannt, der ihm dabei helfen soll, seinen Weg zu finden. Dabei
gilt es, Exerzitien zu absolvieren und Prüfungen zu bestehen. Die
Anleitungen für die Übungen sind für den Leser übersichtlich gesondert
aufgeführt.
Übersinnliche Erfahrungen
Durch die Aufgaben, denen sich Coelho stellen muss, gelingt es ihm,
einige übersinnliche Erfahrungen zu machen. Er schafft es, mit seinem
inneren Dämon zu kommunizieren und stellt sich dem Kampf mit einer in
einem schwarzen Hund verborgenen Legion von Dämonen. Es gelingt ihm aber
nicht gleich, das Schwert, das er eigentlich sucht, zu finden. Erst
kurz vor Schluss - "Petrus" hat sich schon verabschiedet, ein
Initiationsritus musste ohne die Übergabe des Schwertes stattfinden -
kommt ihm die Eingebung und er findet sein Schwert.
Denkt man die Geschichte als wahre Begebenheit, etwa das Erscheinen
von Engeln und Dämonen oder übersinnliche Phänomene, ist man als
kritisch gegenüber Religion und Magie eingestellter Leser schnell
geneigt, das Buch als "Quatsch" zur Seite zu legen. Nimmt man sich aber
die entscheidenden Grunderfahrungen heraus, die Suche nach sich selbst,
das Überwinden von Angst, das Verfolgen von Zielen, dann ist das Buch
für jeden ein Gewinn. Denn, dass an Coelho vom schriftstellerischen
Handwerk her, kaum etwas auszusetzen ist, ist ohnehin klar.
